Pflanzen sind Lebewesen

Pflanzen sind Lebewesen


Als ich den Schritt vom Veganer zum Frutarier machte, wurde ich oft gefragt, ob meine Ideen nicht langsam doch zu extrem werden.

Bestimmt wirkt natürlich die Entwicklung, die von der Erkenntnis gesteuert wird, der wiederum ein Reifeprozess zugrunde liegt, auf den man sich einlassen wollen muss, auf alle diejenigen, die noch nicht bereit sind für eine Veränderung, die eventuell auch ihre eigene Bequemlichkeit ankratzt, wie eine Reise in den Irrsinn, denn man entfernt sich von ihnen und ihren für sie fassbaren Vorstellungen und Gedanken und kann dabei selbst nicht einmal das Ende dieses Prozesses absehen.

Damit empfinden einen die meisten Mitmenschen in der Regel als suspekt.

Die wenigen, die einen dann noch begleiten, weil das Band der Freundschaft stark genug ist, auch über die größere Distanz der verschiedenen Lebenseinstellungen nicht zu zerreißen, tolerieren zwar den Unterschied und machen die Entfernung überwindbar, aber die Akzeptanz reicht selten aus, um schlussendlich den gleichen Weg zu gehen.

Als Vegetarierin war dies noch nicht so spürbar – vielleicht weil der Verzicht auf Fleisch inzwischen nicht mehr so ungewöhnlich ist. Als Veganerin verdeutlichte sich die Diskrepanz der Gedanken schon mehr, denn nachzuvollziehen, warum nun Milchprodukte vom Speisezettel gestrichen werden, obwohl die Kuh sie sowieso im Euter bereit hält und gemolken werden muss, fiel und fällt der Umgebung meistens schon viel schwerer, als zu akzeptieren, dass man die Tötung von Tieren zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse ablehnt. Als Frutarierin jedoch kann mir kaum noch jemand folgen, wenn ich es ablehne, eine Möhre zu essen und als Grund dafür nenne, dass der Lebenstrieb sich in meinem Bild der Wahrheit in der Wurzel der Pflanze befindet und ich diese somit töte, wenn ich die Wurzel vernichte, indem ich sie esse, weil der Mensch den Pflanzen in der Regel keine Form von Bewusstsein zugesteht und Gefühle von ihrer Seite strikt in Abrede stellt.

Ich brauche somit noch nicht einmal soweit zu gehen, den Pflanzen Seelen zuzusprechen und sie als Mitgeschöpfe zu definieren, um Unverständnis für meine Überzeugung zu ernten, denn alleine der Gedanke, dass man vom Akt des Tötens im Zusammenhang mit einem Wurzel- oder Knollengemüse spricht, reicht schon aus, um sich die Qualifikation als Spinner zu sichern und somit die des „normalen Menschen“ verloren zu haben.

Pflanzen

Dabei ist es, von wissenschaftlichen Untersuchungen über das Empfinden der Pflanzen mal ganz abgesehen, doch offensichtlich, dass eine Kartoffel lebt, wenn man beobachten kann, dass sie auch noch nach der Ernte und während der Lagerung keimt und somit dem Trieb zu überleben folgt, der die Wurzeln weiter wachsen lässt – wäre sie hingegen leblos, dann würde auch keine Aktivität von ihr ausgehen und kein Bemühen sichtbar werden, welches darauf schließen lässt, dass die Knolle sich weiterhin anstrengt, ihre Art zu erhalten, indem sie eine Möglichkeit zu finden versucht, durch das Wurzelwachstum wieder nahrhafte Erde zu erreichen. Gleiches gilt für die feine Haarwurzelbildung, die man bei Möhren erkennt oder die Bildung von Pflanzenblättern, die sich aus einer Zwiebel entwickeln, obwohl sie nicht im Mutterboden steckt, sondern im Vorratsraum liegt.

All diese Zeichen sprechen die deutliche Sprache vorhandenen und vor allem aktiven Lebens in der Wurzel, der Knolle oder der Zwiebel, das wir vernichten, wenn wir sie schälen, zerteilen und kochen..

Ich möchte dabei auch gar nicht hinterfragen, ob die Kartoffel Schmerzen spürt, wenn sie ins kochende Wasser geworfen wird, die Möhre leidet, wenn man sie raspelt oder die Zwiebel es als Qual empfindet, wenn man ihr die Schalen entfernt und sie in Würfel schneidet, aber dass Pflanzen eine Form von Gefühl haben, wurde zum Beispiel schon oft durch simple Experimente belegt, bei denen man ein brennendes Streichholz in die Nähe eines Blattes hielt und beobachten konnte, dass es sich von der gefährlichen Hitze abwendet. Genauso reagiert es auf das Sonnenlicht, nur dass es sich dahin dreht, wo es genügend davon einfängt und absorbiert, weil es die Strahlen zum biochemischen Vorgang der Photosynthese braucht, um Lichtenergie in chemische Energie umzuwandeln.

Wenn also Pflanzen eine einfache Form des Bewusstseins haben, mit dem sie zum einen die Umgebungstemperatur erfühlen und zum anderen einer Art Instinkt folgen, um zu wissen, wann sie sich von der Wärme abwenden und wann sie sich ihr zuwenden müssen, dann könnte man nicht nur ein Temperaturempfinden belegen, mit dem sie ihre Blätter übrigens auch bei Minusgraden einrollen, um sie vor dem Frost zu schützen, sondern man dürfte sogar eine Form der vielleicht niedrigsten, aber trotzdem vorhandenen Intelligenz annehmen, die somit auch bei Pflanzen vorhanden ist.

Dies bestätigte der Zellularbiologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn sogar in einem Interview, das bereits im Jahr 2007 in der Oktoberausgabe der Zeitschrift P.M. abgedruckt wurde.

Seine These, dass Pflanzen genau wie Tiere riechen, schmecken, sehen, hören und sogar sprechen können, klingt für die meisten Menschen vermutlich eher nach einer abenteuerlichen Behauptung, als nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, aber tatsächlich gelang es Baluska mit wissenschaftlichen Tests zu beweisen, dass Pflanzen vermutlich sogar mehr Sinne als Menschen haben, denn er fand heraus, dass Pflanzen mindestens 20 verschiedene Umweltfaktoren, darunter Licht, Bodenstruktur und Schwerkraft erspüren und sich – ähnlich wie Vögel – an elektrischen und magnetischen Feldern der Erde orientieren.

Dass die für uns stumme Flora sich rege unterhält, ist natürlich nicht akustisch wahrnehmbar, aber dass Pflanzen „chemisch sprechen“, belegte der Forscher, in dem er den Nachweis erbrachte, dass Pflanzen im Wasser gelöste Botenstoffe verwenden, die sie mit den Wurzeln „schmecken“, um so miteinander zu kommunizieren. Baluska geht sogar so weit, diese Form des Austauschs von Informationen unter der Erde mit dem World Wide Web zu vergleichen, weil er ähnlich effektiv und weitreichend sein soll, wie es das Internet ist.

Man mag seine Theorie für kühn oder gar kurios halten, aber die Fakten sprechen für die Richtigkeit seiner Aussage, denn er unterlegt seine These mit der Tatsache, dass zum Beispiel eine einzige Roggenpflanze 13 Millionen Wurzelfasern besitzt, deren Gesamtlänge – würde man sie alle hintereinander legen – rund 600 Kilometer beträgt und die somit ein riesiges dynamisches Kommunikationsnetz bilden, welches aus dem Grund funktioniert, weil sich an der Spitze jeder dieser Wurzelfasern spezialisierte Zellen befinden, die eine Art „gehirnähnliche Funktion“ erfüllen und als Verbund zum „Gehirn der Pflanze“ werden, das Frantisek Baluska als „Wood Wide Web“ bezeichnet.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam der emeritierten Professor Dieter Volkmann von der Universität Bonn bereits vor zwei Jahrzehnten und wenn er damals von den Kollegen noch belächelt wurde, findet er seine Behauptungen aus der Zeit um 1990 inzwischen sogar schon mehrfach wissenschaftlich bestätigt.

Mit einem Team von Neurologen, das zwar in der Regel eher im Bereich der Hirnforschung bei Tieren experimentiert, forschte er weiter intensiv und konnte so Vergleiche zwischen Tieren und Pflanzen ziehen, die den Schluss zulassen, dass durchaus Ähnlichkeiten bestehen, auch wenn er nicht so weit gehen möchte wie

Frantisek Baluska, den Pflanzen ein Gehirn zuzusprechen, weil sie nach seiner Auffassung kein vergleichbares Nervensystem in dem Sinn haben, wie es zum Beispiel der Mensch hat und auch bei der Reizleitung nicht über Synapsen und Neurone funktionieren. Allerdings bestätigt er, dass sie auf molekularer Ebene trotzdem über viele vergleichbare Strukturen verfügen, deren Substanzen in ihrer Wirkungsweise Ähnlichkeiten mit Neurotransmittern aufweisen. So bedienen sie sich zum Beispiel ähnlich wie Menschen und Tiere elektrischer Signale als Hilfsmittel für die Außenwahrnehmung.

Ein besonderes Augenmerk galt bei den Forschungen von Volkmanns Team den Maispflanzen, bei denen im Zuge der Experimente zum Beispiel Baluskas These erneut nachgewiesen werden konnte, dass sie über die Wurzeln im Boden ein durchaus als Intelligent zu bezeichnendes Eigenleben führen, dessen Raffinesse mit Quallen oder Würmern vergleichbar ist.

Darüber hinaus maßen sie jedoch vor allem das Aktionspotential in der Pflanze, das mit der Reizleitung einhergeht und konnten dabei feststellen, dass ein von Fraßfeinden, wie zum Beispiel Raupen bedrohtes Blatt, die Gefahr für die Unversehrtheit der Pflanze sofort weitermeldet und so innerhalb weniger Minuten spezifische Duftstoffe ausgesendet werden, um damit Schlupfwespen anzulocken, welche dann die schädlichen Raupen eliminieren.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam man in Mexiko, als man sich intensiv mit dem Verhalten der Limabohne (Phaseolus lunatus) beschäftigte, mit dem sie sich vor Fraßfeinden schützt, denn sie lockt mit ihrem Nektar Ameisen an, welche dann die Schädlinge von den Blättern sammeln, bevor die mit ihrer zerstörerischen Arbeit beginnen können. Ähnlich wie der Mais wehrt sie sich bei einer durch die Ameisen nicht abzuwendenden Bedrohung von Raupen mit Lockstoffen, die Schlupfwespen anziehen, welche dann auch der Raupenplage Einhalt gebieten.

Martin Heil vom mexikanischen Guanajuato Campus of Cinvestav erklärt das Verhalten der Pflanzen, indem er darauf hinweist, dass kein internes Signal die Blätter der weiter von der Gefahr entfernten Zweigen so schnell erreicht, wie Duftstoffe, die als Boten den Transport auf dem Luftweg nutzen können

Tatsächlich ist die Übermittlung von Reizen auf den weiten Wegen innerhalb der Pflanzen im Vergleich zur Geschwindigkeit des menschlichen Nervensystems eher uneffizient. Aber obwohl die Informationen eher wie in Zeitlupe weitergegeben werden, wenn man davon ausgeht, dass Pflanzenbotschaften mit einer Geschwindigkeit von einem Zentimeter pro Sekunde durch das Blattwerk wandern und somit nicht vergleichbar sind mit den Signalen, die 10.000-fach schneller durch den menschlichen Körper rasen, wenn eine Schmerzwahrnehmung vom Fuß in Bruchteilen von Sekunden im Kopf ankommt, ist eine Maispflanze trotzdem durchaus innerhalb von zwei bis drei Minuten in der Lage, auf die Attacken von Fraßfeinden mit Gegenwehr zu reagieren.

Für eine Pflanze ist demnach die höchstmögliche Schnelligkeit der Übermittlung nicht von höchster Bedeutung – vielmehr liegt ihre Priorität in der Feinsinnigkeit, die Gefahr schon früh genug durch empfindlichste Wahrnehmung ihrer Umgebung zu erfassen, denn im Gegensatz zum Mensch und zum Tier ist sie durch ihr Wurzelwerk im Boden an den Ort gebunden, an dem sie steht und darum kann sie vor Feinden nicht fliehen. Sie ist demzufolge nur in der Lage sich effektiv zu schützen, wenn sie früh genug auf alles, was um sie herum geschieht, reagieren kann.

So ist es auch zu erklären, dass eine Pflanzenwurzel innerhalb von Sekunden die Wuchsrichtung ändert, sobald sie im Boden auf Hindernisse oder gar giftige Substanzen stößt, denn als Zentrum des Pflanzenwachstum ist ihre Unversehrtheit für das Überleben der ganzen Pflanze entscheidend und so bedeutet der Schutz der Wurzel auch die Chance, neue Triebe zu bilden, wenn die Blätter der Pflanze verletzt oder erheblich beschädigt wurden.

Aus diesem Grund ist es auch so immens wichtig, dass die Wurzel die Möglichkeit hat, stets auf jede Eventualität vorbereitet zu sein, um entsprechend darauf reagieren zu können und dabei hilft ihr vor allem, dass ihre Wurzelspitze wie ein feiner Seismograph funktioniert, der Messungen durchführt und sie so in jeder Sekunde ihre Umgebung nach Gefahren, aber auch nach Nährstoffen oder der Schwerkraft erforschen kann.

Schon vor 125 Jahren beschäftigte sich Charles Darwin mit dem Gedanken, dass wenn es ein dezentrales, integrierendes System in der Pflanze gibt, die dem menschlichen Gehirn, beziehungsweise seinem Nervensystem ähnlich ist, dies vermutlich unterirdisch zu suchen sei. Professor Volkmann unterstützt diese These und ist auch überzeugt, dass es vor allem die Wurzel ist, mit der die Pflanze sich selbst und ihre Umgebung wahrnimmt und somit immer weiß, was um sie herum passiert.

Tatsächlich steckt in der Wurzel zum Beispiel nicht nur das Talent, Nährstoffe zu finden oder Gefahren zu erkennen und vor ihnen auszuweichen, sondern auch das Vermögen, sich durch Scharf- oder Bitterstoffe vor Fraßfeinden zu schützen. Ganz besonders ausgeprägt verteidigen sich zum Beispiel Kreuzblütler, die bei Schädigung der Zellstruktur sogar Toxine freisetzen, welche sich aus den verschiedenen, voneinander abgegrenzten Kompartimenten der Zentralsaftvakuolen gespeicherten Substanzen bilden, wenn die mit den Glucosiden in Berührung kommen und so G lykoside wie Blausäure oder Senföl entstehen und abgegeben werden, um den Fraßfeind abzuwehren.

Nun sind solche biochemischen Vorgänge vielleicht nicht als außergewöhnliche neue Erkenntnis zu bezeichnen, denn dass Pflanzen chemische Vorgänge zum Überleben anregen und nutzen, kennt man bereits durch das Wissen um die Photosynthese.

Neu ist aber vielleicht, dass Pflanzen über die Wurzeln ihre „Verwandtschaft“ über das Wurzelsekret erkennen und so unterscheiden können zwischen der eigenen Art und fremden Gewächsen.

Versuche mit der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) verhalfen kanadischen Forschern zur Erkenntnis, dass Pflanzen mit dieser Fähigkeit ihre eigene Familie im Wachstum unterstützen, indem sie die eigenen Wurzeln nur so weit ausbreiten, dass es den Keimen des Samens gleichen Ursprungs problemlos möglich ist, genügend Platz und Nährstoffe zu erhalten und das Wachstum derer, die außerhalb des Familienverbandes sind, im Wachstum hemmen, indem sie die eigenen Wurzeln mit verstärktem Wachstum befähigen, dem Fremden den Platz, das Wasser und die Nährstoffe abspenstig zu machen. Hinter diesem Verhalten steckt, so erklärt es Susan Dudley von der McMaster University Hamilton in Kanada, das Streben nach besserem genetischen Erfolg, denn wenn sich die eigenen Gene potenzieren, garantiert das auch die Verstärkung der eigenen Art.

Wer im Sinn der Leistung seine Probleme zu lösen imstande ist, dem dürfe man auch eine Intelligenz zusprechen – so ist es zumindest die Meinung von Anthony Trewavas von der University of Edinburgh und wenn man Intelligenz so definiert, dass sie Erfahrungen für Handlungen verwendet, dann kommt man eigentlich wirklich nicht umhin, Pflanzen als intelligent zu bezeichnen.

Allerdings sollte man bei aller Achtung vor der Leistung der Wurzel nicht übersehen, wie fein die Wahrnehmung von Blättern sein kann, denn neben einem ausgeprägten Temperaturempfinden und dem schnellen Reaktionsvermögen auf Feuchtigkeit und Nässe, wie zum Beispiel durch starken Regen oder Witterungsveränderungen, verfügen Pflanzen auch über einen Tag- und Nachtrhythmus, nach dem sich Blütenblätter schließen und öffnen, weil sie Helligkeit von Dunkelheit unterscheiden können und sie zeigen sogar ein sogenanntes Schattenvermeidungssyndrom, das eine Veränderung im Wachstum hervorruft und sich kennzeichnet durch Hyponastie (verstärkter Wachstum im unteren Pflanzenteil), Streckung der Blattstiele, verstärktes Sprosswachstum, sobald ein Nachbar seinen Laubschatten auf sie wirft.

Diese Fähigkeit steht im Zusammenhang mit der Wahrnehmung der Pflanze von Licht, denn sie richtet sich nicht nur nach dessen Richtung und misst durch ihre pflanzlichen Lichtrezeptoren nicht nur die Intensität, sondern auch die Qualität der Spektralfarben und nutzt sowohl blaues, als auch rotes Licht dass sie schluckt und reflektiert, weshalb es sich dann auch vom Licht der direkten Sonneneinstrahlung unterscheidet und dies hilft der Pflanze sich nicht in den Schatten des Nachbarn zu stellen.

Denkt man aber nun zum Beispiel an die Mimose, deren Empfindlichkeit ja auch sprichwörtlich in unserem Sprachgebrauch verankert ist, dann weiß man, dass sie nicht nur in Sekundenschnelle auf Erschütterung und kurzfristige Temperaturunterschiede oder Veränderung der Lichtintensität mit dem Einklappen der betroffenen Blattregionen reagiert, sondern dass diese Nastien, welche auf Turgorveränderungen zurückzuführen sind, die bei Druck auf die Pflanzenblätter entstehen und somit auch bei Berührung hervorgerufen werden, sich erst nach Minuten wieder lösen, damit die Blüte wieder zu ihrer Ursprungsform findet. Diese Pflanze nimmt die Berührung also nicht nur wahr, sondern schützt sich so lange, bis sie sicher sein kann, dass nun keine Gefahr mehr droht.

Doch auch wenn für die Mimose das Anfassen als unangenehm und Zeichen einer Bedrohung empfunden wird, gibt es durchaus auch Pflanzen, die Berührungen wie ein zärtliches Streicheln zu genießen scheinen. Dass Pflanzen über sogenannte „Touch-Gene“ verfügen, fand im Jahr 2000 die amerikanische Pflanzengenetikerin Janet Braam von der Rice Universität in Houston Texas aufgrund einer Versuchsreihe mit recht simplen Experimenten heraus, mit denen sie genau diese Gene aktivierte.

Den wissenschaftlichen Beweis, dass durch sanfte Berührung verwöhnte Pflanzen ihr Wachstum verändern, erbrachte sie in einem Test mit Sprossen von Senfpflanzen, die sie in zwei unterschiedliche Blumentöpfe setzte. Obwohl es beiden Pflänzchen an nichts fehlte, wuchs eine zu einem kurzen, buschigen Senfgewächs mit dickem Stamm heran, das andere zeigte dagegen ein intensives Höhenwachstum mit wenig Blattwerk und war etwa vergleichbar mit einem U-Boot-Periskop. Der einzige Unterschied in der Behandlung der beiden zunächst identischen Pflanzen war der, dass der später üppige Senfspross mindestens viermal täglich gestreichelt, massiert und liebkost wurde. Sein eher bodenständiges Wachstum hätte ihm in der freien Natur vor allem Vorteile und die besseren Überlebenschancen im Gegensatz zur hochaufgeschossenen, dünnen Pflanze eingebracht, wenn sie beide an einem windigen Standort gewachsen wären.

Dass Pflanzen aber nicht nur einem Tag- und Nachtrhythmus folgen, sondern überdies dem Takt der Töne, der sie zu Tanzbewegungen animiert, zeigte ein Filmbericht aus Udon Thani, einem Ort in Thailand, der im Februar 2010 von Arte ausgestrahlt wurde. Es handelte sich dabei um eine Desmodium motorium, auch Indische Telegraphenpflanze genannt, welche im Minutentakt mit ihren kleinen Nebenblättern wedelt und ihr Fächeln sogar mit dem Takt bestimmter Töne koordinierte.

Auch dass Pflanzen durch Musik stimuliert werden können, ihren Fruchtertrag zu steigern, besser zu wachsen und zu gedeihen oder resistenter gegen Schädlinge zu sein, weil sie Vibrationen und Schallwellen aufnehmen, bestätigt der Wissenschaftsjournalist und Buchautor Joseph Scheppach in seinem Buch „Das geheime Bewusstsein der Pflanzen“, denn er kommt zum Schluss, dass jede einzelne Pflanzenzelle eine Membran hat, die empfindlicher ist als das menschliche Hörorgan, nachdem Forscher der Universitá degli Studi die Firenze in einem. toskanischen Weinberg den Reben über 10 Jahre lang mit Hilfe von Lautsprechern 24 Stunden am Tag Musik von Mozart, Haydn, Vivaldi, Maler vorgespielt hatten und vom Studienleiter, dem Biologen Stefano Mancuso bestätigt wurde, dass die beschallten Weinblätter größer wurden und die Trauben aromatischer schmeckten, als die unbeschallten – allerdings zeigte der Wein gegen Rockmusik eine Abneigung, denn bei Mozart steigerte sich der Ertrag, bei lauten Beats nahm er ab.

Interessant war aber außer besserer Traubenqualität, höherem Ertrag und größerer Resistenz gegen Schädlinge, dass die Wurzeln der Reben sich mit ihrem Wachstum durchweg in Richtung der Tonquelle orientierten.

Ein ähnliches Experiment gelang auch mit Tomatensträuchern, bei denen sich ebenfalls eine Art von Musikalität im Ertrag wiederspiegelte, wobei ihnen vorgesungen wurde und sie auch Zuspruch erhielten. Schon nachkürzester Zeit sah man deutliche Unterschiede zwischen den Pflanzen, die man liebevoll umsorgte und die Zuwendung durch Gesang und Gespräche bekamen und denen, um die sich nur im üblichen Rahmen der Pflege durch Gießen und Düngen kümmerte, denn erstere blühten früher, brachten mehr Tomaten.

Auch im bayerischen Forschungsinstitut Weihenstephan wurde an Tomatenpflanzen geforscht und dabei festgestellt, dass ein freundliches: „guten Morgen, liebe Tomaten“ und reichlich guter Zuspruch über den Tag verteilt, einen Mehrertrag von durchschnittlich 500 Gramm pro Strauch brachte.

Wenn Pflanzen also auf Schwingungen, Musik, Berührungen und sogar liebevolle Zuwendung reagieren, sie über eine Struktur verfügen, die dem menschlichen Nervensystem ähnelt und ihnen Sinne gegeben sind – was spricht dann dagegen, dass man sie als Lebewesen akzeptieren kann und respektiert, dass man ihre Wurzeln nicht beschädigt oder sie zum Zweck des Verzehrens vernichtet?

Wenn Wissenschaftler überdies beweisen konnten, dass sie über eine Art raffinierte Intelligenz verfügen, ähnlich der von Tieren, mit denen sie sich schützen – warum ist es dann so surreal, wenn man sie als gleichwertige Mitgeschöpfe nicht tötet und aufisst?

Ein Experiment, welches als Backster-Effekt bereits im Jahr 1966 bekannt wurde, führte der amerikanische Lügendetektor-Spezialist Cleve Backster mit seinem Drachenbäumchen durch, als er es an die Dioden anschloss. Dabei gelangte er zu der Erkenntnis, dass Pflanzen eher auf Schwingungen und mentale Botschaften, als auf physische Gegenwart oder ausgesprochene Worte reagieren, denn die Detektornadel zeichnete dann Kurven auf, die vergleichbar sind denen von Menschen in Stress- oder Angstsituationen, wenn er darüber nachdachte, zum Beispiel ein Streichholz zu entzünden und die Pflanze mit der Flamme zu berühren, während sie auf das tatsächliche Anzünden eines Streichholzes nicht reagierte.

kirlian

Bild aus dem Buch: Lichtbilder der Seele von Stanley Krippner / Scherz-Verlag Es handelt sich dabei um die Fingerkuppe eines Heilers, dessen Ausstrahlung mittels der Kirlian-Aufnahmetechnik festgehalten werden konnte

In dem Buch „Lichtbilder der Seele“ von Stanley Krippner und Daniel Rubin, das sich mit der Sichtbarmachung von Auren durch Kirlianfotographie beschäftigt, werden auch Pflanzenexperimente gezeigt und dabei dargestellt, dass ein von einer Pflanze abgerissenes Blatt tatsächlich noch über einen längeren Zeitraum mit seinem Ursprung verbunden bleibt, denn man erkennt auf den Bildern, dass die Aura auch das verlorene Blatt noch als Teil der Pflanze mit einschließt. Dies lässt darauf schließen, dass es eine Art geistiges Zusammengehörigkeitsgefühl und einen ebensolchen Austausch gibt, was wiederum den Gedanken zulässt, dass Pflanzen, die Gefühle der Gemeinschaft in ihrem Wachstum berücksichtigen, die eigene Art beschützen, Angst- und Stresssymptome zeigen oder sich besser, beziehungsweise schlechter in der Gesellschaft bestimmter anderer Pflanzen entwickeln, durchaus zu negativen oder positiven Empfindungen fähig sein könnten, denn eine Triebfeder wird ganz gewiss hinter ihrem Verhalten stehen. Sollte dies auch lediglich der Wille zu existieren oder zu überleben sein, so beweist selbst das, dass auch sie in ihrem Dasein einer Intention folgen und nicht sinnlos vor sich hinwachsen, denn dafür würden sie all die Fähigkeiten, die Wissenschaftler nachwiesen, nicht brauchen.